Reduktion auf das Wesentliche

Soo … Dann mal los.

Reduktion auf das Wesentliche heißt im ersten Schritt, mein Equipment zu minimierren.
Eine Kamera, ein Objektiv.
Somit entfällt schonmal das Auswählen der Kombination und/oder der Objektive, die es in die Fototasche schaffen.

Reduktion heißt für mich aber auch, das Format und sogar die Nachbearbeitung zu minimieren. Also im Nachhinein möglichst kein Beschnitt und möglichst keine oder zumindest nur geringe Nachbearbeitung der Fotos.

Somit müssen Komposition und Belichtung von Anfang an passen.

Klar weiß ich, dass nun viele Einwände kommen.

  • So kannst du nicht alles fotografieren und manche Themen scheiden aus.
  • Tele und Weitwinkel sind zwingend erforderlich um Vielfalt zu zeigen.
  • Mit Blende 2.8 kannst du auch nicht richtig freistellen. Mindestens 1.4 muss es schon sein.
  • Außerdem brauchst du zwingend die neueste Kamerageneration wegen der besseren Auflösung
  • usw usw usw

Ja, ich weiß. Geht alles irgendwie eigentlich gar nicht 🙂
Und doch habe ich mir tatsächlich auch Gedanken gemacht und in den letzten Jahrren viele Erfahrungen gesammelt.

Seht ihr. Als mein Vater seine Lehre beendet hatte, kaufte er sich (natürlich in Ratenzahlung) seine erste Kamera. Da kannte er nichtmal meine Mutter.
Es war eine Kodak Retina 1a mit fest verbautem 2,8 / 50mm Schneider Kreutznach Objektiv.
Und das bei den damals hochempfindlichen Filmen mit 50 ASA!

Damit fotografierte er fast 20 Jahre, bis er sich die erste Spiegelreflex leistete. Er hatte sie immer dabei. Klein, handlich, funktional. Allerdings musste er sogar einen externen Belichtungsmesser und einen Entfernungsmesser mitnehmen. So etwas war in dieser Kamera noch nicht verbaut.

Die kleine Kodak war viel unterwegs. Urlaube mit dem 10PS Motorroller in den Schweizer Alpen oder später mit dem Fiat 600 zum Zelten in der Lüneburger Heide. Begleitet zunächst von seiner Schwester. Später von meiner Mutter und meinen beiden älteren Geschwistern.

Es ging! Und es würde auch heute noch gehen.
Während andere sich einen Bus kaufen würden, zogen die 4 eben mit dem Kleinwagen los.

Ebenso habe ich mir einige Blogs angesehen. Fotografen, die ausschließlich mit Kameras und fest verbautem Objektiv arbeiten. Die Fuji X100-Serie ist dazu prädestiniert, aberr auch Ricoh GR oder Sony RX1 sind in Gebrauch. Nicht nur nebenher, sondern ausschließlich.

Dort sah und sehe ich immer wieder Bilder, die durch Komposition bestechen. Durch Lichtstimmung. Durch Motive selber. Kreativität. Ideenreichtum. Genau mein Geschmack.

Zusätzlich werde ich mich auch auf ein Format beschränken. Das Quadrat!
Keine Überlegungen mehr, ob etwas in Hoch- oder Quer besser „funktioniert“. Lediglich schauen, wie ich Motive, Licht, Farben angenehm ins Quadrat drappiere. Was für ein Spaß.

Dieser Spaß ist auch ein alter Bestandteil meines Lebens. Ich bin mit Langspielplatten, Singles und CDs aufgewachsen und horte noch heute einige von Ihnen.

Die Cover … oft echte Kunstwerke … immer im Quadrat!

Wer kennt nicht die Andy Warhol Cover der Rolling Stones? Die Überquerung des Zebrastreifens der Beatles? Oder den Soldatenfriedhof auf „Master of Puppets“ von Metallica. Viele andere Coverbilder haben sich uns in den Kopf gebrannt. Oft kennen wir den Titel einer Scheibe nicht, aber das Coverfoto glimmt sofort vor dem inneren Auge auf.

Nun denn … Kamera, Objektiv, Quadrat … was braucht es mehr?

Für mich braucht es eventuell hin und wieder einen kleinen Blitz, einen Pol- oder ND-Filter und einen Drahtauslöser, bzw die Handyapp als Fernbedienung. Ende.

Da die Fuji jpgs die besten sind, die ich kenne, werde ich auch sie nutzen. Nur im absoluten Notfall werden RAWs produziert und später entwickelt.
Die In-Camera-Entwicklung der Fuji ist oft schon bestens.
So kann ich auch das Thema Film von früher auf meine Reduktion adaptieren.
Früher durfte ich mich vorab fragen, ob es schwarz-weiss oder Farbe wird. Negativ oder Dia. Isoempfindlichkeit. Dann war die Entscheidung für 24 bis 36 Bilder getroffen.

Daher drehe ich auch heute nicht besonders viel am ISO-Regler. O.K. ein wenig dar es schon sein. Einen Vorteil soll das digitale Fotozeitalter ja schon mitbringen dürfen 🙂

Auf geht’s … So lange es Spaß macht!

12 Gedanken zu “Reduktion auf das Wesentliche

  1. Hi, ich fotografiere wieder viel analog, auch mit alten Kameras. Da muss ich mich auch manchmal reduzieren. Ich empfinde es nicht als Nachteil. Wenn ich Gebäude fotografieren möchte, nehme ich halt nur das Weitwinkel mit, basta. Was nicht geht, geht nicht. Das macht auch kreativ. Die Motive laufen ja nicht weg, wenn es sein muss, mache ich halt noch einmal eine zweite Runde mit einem anderen Objektiv. Und dann entstehen ganz andere Bilder, ganz andere Atmosphären. Bin gespannt auf deine Beiträge.
    Lieben Gruß
    Alice

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  2. Ganz spannender Beitrag. Ich habe in letzter Zeit auch viel über Reduktion nachgedacht. In verschiedenen Bereichen, sicher aber auch in der Fotografie. Mein erste Reduktion da war weg von der Farbe hin zu schwarzweiss. Das ist aber noch nicht genug. Der Weg wird weiter gehen, einige Ideen habe ich auch schon.

    Ich finde den Ansatz, wenig Nachbearbeitung zu betreiben, sehr gut. Ein Fotograf sagte mir mal, dass früher die Fotografie vor dem Knipsen stattfindet, heute danach… und das möchte ich eigentlich nicht. Ich habe hier dicke Schinken über Lightroom und Photoshop liegen, wollte die eigentlich mal durcharbeiten. Aber mir fehlt die Freude. Weil für mich Fotografie irgendwie nicht bedeutet, stundenlang am Computer sitzen (ein wenig geht ja – dafür reichen meine Kenntnisse aber auch durchaus 😉 )

    Ich werde an dem Thema dran bleiben. Und: Ich bin auf deine weiteren Bilder gespannt.

    Liebe Grüsse
    Sandra

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    1. Für mich ist Farbe = Leben. Daher kann ich mir eine komplette Reduktion auf schwarz-weiss für mich nicht wirklich vorstellen. Irgenwie ist schwarz-weiss auch ein Farbspektrum .. Das muss für mich zum Bild passen.
      Aber da hat jeder so seine Vorlieben.
      Schön, dass du folgst und dich für meine Bilder interessierst. Tut gut, gleich zu Beginn ein paarr Interessierte an der Seite zu haben.

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      1. Ich verstehe gut, was du meinst von wegen Farbe = Leben. Und ja, alles geht nicht in schwarzweiss. Monochrom ist immer eine Reduktion auf Formen, Strukturen und Muster. Auch eine Abstraktion. Da muss das Motiv schon passen. Gerade Dinge, die aufgrund ihrer Farbe wirken, wären in schwarzweiss ihrer Wirkung beraubt.

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  3. Noch puristischer und minimalistischer: Eine Rollei 35S oder Minox 35 GT (oder entsprechend frühere Modelle) mit Film. Dann entfällt die Nachbearbeitung am Rechner, wenn man die Filme ins Labor sendet und dort scannen und evtl. gleich drucken lässt. Ausserdem sind das die kleinsten ‚Vollformatkameras‘, die es gibt:

    https://beefoto.wordpress.com/2018/09/06/floh-markt/
    https://beefoto.wordpress.com/2018/05/11/killer-machine/
    https://beefoto.wordpress.com/2018/07/07/abenteuer-rollei-35s/
    https://beefoto.wordpress.com/2018/07/07/5618/
    https://beefoto.wordpress.com/2018/04/27/35-millimeter/
    https://beefoto.wordpress.com/2018/04/30/learning-hardware/

    Bei den beiden Kameras muss man sich nicht zurücknehmen oder einschränken — sie sind so, wie sie sind. Es besteht nicht einmal der Hauch einer Chance, ein anderes Objektiv dranzusetzen.

    Für mich sind diese Kameras perfekt für Ausflüge, Reisen, Wanderungen, etc.
    Hätte ich sie nicht, würde ich wahrscheinlich auch eine kleine Fuji haben.

    Jeder so, wie er mag, das gilt ganz besonders für den Hobbybereich. Beruflich sieht das etwas anders aus, da muss man schleppen, weil das eine ganz andere Welt ist.

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, auch eine schöne Idee. Daher hatte ich auch schon oft die kleine Kodak Retina meines Vaters dabei. Spaß macht es allemal, aer ein Belichtungs- und Entfernungsmesser darf es dann doch schon sein.

      Gefällt mir

    2. Über die Rollei 35 und die Minox 35 habe ich vor vielen Jahren auch mal Lobeshymnen in mein damaliges Blog geschrieben, das aber nicht mehr online ist. Auf jeden Fall sind es beides hervorragende Immer-dabei-Kameras, für die es im Digitalbereich immer noch keine adäquaten Entsprechungen gibt. – Eine dritte hemdentaschentaugliche KB, wenn man es gern komfortabler haben möchte, wäre die Olympus µ2 (Mju). Bei der hat man zwar nicht die volle Kontrolle über die Parameter, dafür fokussiert sie automatisch runter bis ungefähr 30 Zentimeter, was auch manchmal nützlich ist. Und die Belichtungsautomatik ist, wenn man weiß, wie man die Messwertspeicherung sinnvoll nutzt, auch für Diafilm genau genug.

      @27Millimeter: Insgesamt ein sehr sinnvoller Ansatz fürs hobbymäßige Fotografieren, sich auf eine – möglichst nicht extreme – Festbrennweite zu beschränken. Ich bin auch nach über 30 Jahren immer noch am liebsten nur mit entweder 35, 40 oder (seltener) 50mm auf Kleinbild unterwegs, was ja im Mittel deinem 27er an der Fuji entspricht, oder neuerdings mit dem 127er für die faltbare 9×12, was auch etwa aufs Gleiche hinausläuft. Wenn man sich an eine Brennweite gewöhnt hat, hilft das sehr dabei, die Bildgestaltung schon fertig zu haben, bevor man in den Sucher bzw. auf die Mattscheibe guckt, dann nimmt man, so meine Erfahrung, die Welt auch ohne Kamera dazwischen viel bewusster wahr. (Und wenn ich ein Ultraweitwinkel und/oder ein fettes Tele dabei habe, ist die Versuchung größer, doch wieder Stockphoto-Klischees zu produzieren.)

      @Toyotadesigner: Super Anregung, der Rollei 35 einen Triangulations-E-Messer anzusetzen! So einer steckt doch noch in einer der vielen ererbten Voigtlaender-Zubehörtaschen – dass ich nicht selbst auf die Idee gekommen bin …

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  4. Einschränkungen / Beschränkungen sind oftmals ein gutes Mittel, seiner Kreativität auf die Sprünge zu helfen.
    Ob es nun eine Festbrennweite, ein bestimmtes Format ist oder man sich auf ein ganz enggefasstes Thema eingeschossen hat… oder sonstwas …

    Wie oft stand ich schon irgendwo und war überwältigt von der Fülle an potentiellen Motiven um mich herum… – erst wenn ich mich gezwungen hatte, mich auf irgendetwas zu beschränken, fing ich an zu Fotografieren…

    Deine beiden Bilder hier im Artikel gefallen gut!
    Das obere ist ja allein schon fast „gedippt“ 😉
    Dieses Bild regt mich allerdings auch dazu an, eine ähnliche Situation in zwei Bildern zu fotografieren: eins mit scharfem Vordergrund und eins mit scharfem Hintergrund – und dann beide Bilder so zusammenfügen, dass alles scharf ist… surreal, 2-dimensionale Welt… vielleicht gelingt mir das bei Gelegenheit mal…

    Gruß
    Andreas

    Gefällt 1 Person

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